GlüStV Whitelist: Alle erlaubten Sportarten im Überblick

Im Sommer 2021 stand ich vor einem Bildschirm und scrollte durch die Anlagen des neuen Glücksspielstaatsvertrags. Irgendwo zwischen Paragraf 21 und den technischen Richtlinien suchte ich nach einer simplen Antwort: Auf welche Sportarten darf ich bei deutschen Anbietern überhaupt wetten? Was ich fand, war eine Liste, die mehr Fragen aufwarf als sie beantwortete – die sogenannte Whitelist.
Der deutsche Glücksspielmarkt bewegt sich 2026 in beeindruckenden Dimensionen: 14,4 Milliarden Euro Bruttospielertrag im Jahr 2024, davon allein 1,8 Milliarden Euro aus Online-Sportwetten. Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein regulatorisches Konstrukt, das viele Wettinteressierte frustriert. Die Whitelist bestimmt, welche Sportarten bei lizenzierten deutschen Anbietern überhaupt angeboten werden dürfen – und welche nicht. Diese Unterscheidung betrifft nicht nur exotische Nischen, sondern globale Phänomene wie MMA mit über 600 Millionen Fans weltweit.
In diesem Artikel erkläre ich dir, wie die Whitelist funktioniert, welche Sportarten sie umfasst und warum ausgerechnet beliebte Kampfsportarten wie MMA fehlen. Außerdem werfen wir einen Blick auf die kommende Evaluierung und was sie für die Zukunft bedeuten könnte.
Ladevorgang...
Was ist die GlüStV Whitelist?
Als ich 2021 zum ersten Mal von der Whitelist hörte, dachte ich an eine Art Positivliste – Sportarten, die besonders empfohlen werden. Die Realität ist komplizierter und gleichzeitig simpler: Die Whitelist ist eine abschließende Aufzählung aller Sportarten, auf die lizenzierte deutsche Wettanbieter Quoten anbieten dürfen. Was nicht draufsteht, existiert für den legalen deutschen Markt schlicht nicht.
Der Glücksspielstaatsvertrag 2021, kurz GlüStV, hat diese Liste in seinen Anlagen festgeschrieben. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, kurz GGL, überwacht deren Einhaltung. Jeder Anbieter, der eine deutsche Lizenz besitzt, muss sich strikt an diese Vorgaben halten. Bei Verstößen drohen Sanktionen bis hin zum Lizenzentzug.
Die Whitelist entstand aus dem Wunsch nach Kontrolle und Integrität. Der Gesetzgeber wollte sicherstellen, dass nur Sportarten mit etablierten Verbandsstrukturen und funktionierenden Integritätssystemen bewettet werden können. Die Logik dahinter: Je organisierter und transparenter ein Sport, desto geringer das Manipulationsrisiko. Ob diese Logik in der Praxis aufgeht, ist eine andere Frage.
Die lizenzierten Sportwettenanbieter setzten 2024 insgesamt 8,2 Milliarden Euro an Wetteinsätzen um – ein Anstieg gegenüber den 7,9 Milliarden im Vorjahr. Dieses Wachstum findet ausschließlich innerhalb der Whitelist-Grenzen statt. Alles, was außerhalb liegt, wandert zu internationalen Anbietern oder bleibt komplett unbewettet.
Erlaubte Sportarten im Detail
Die Whitelist liest sich wie das Who-is-Who des europäischen Mainstreamsports. Fußball dominiert erwartungsgemäß – von der Bundesliga über die Champions League bis zu internationalen Länderspielen. Tennis, Basketball, Eishockey und Handball folgen als weitere Schwergewichte. Auch Motorsport, Golf und diverse Wintersportarten finden sich auf der Liste.
Was mich bei der ersten Durchsicht überraschte: Die Aufzählung ist erstaunlich granular. Nicht einfach „Fußball“, sondern spezifische Ligen und Wettbewerbe. Das gibt der GGL die Möglichkeit, einzelne Wettbewerbe bei Integritätsbedenken auszuschließen, ohne gleich eine ganze Sportart zu streichen.
Für jeden auf der Whitelist gelisteten Sport gelten zusätzliche Einschränkungen. Bei Fußball etwa sind Wetten auf Jugendspiele oder untere Amateurligen nicht erlaubt. Diese Detailregulierung soll die Angriffsfläche für Manipulationen minimieren – je niedriger die Liga, desto geringer die Gehälter und desto höher theoretisch die Bestechlichkeit.
Die praktische Umsetzung variiert zwischen den Anbietern. Einige nutzen den vollen Rahmen der Whitelist aus, andere konzentrieren sich auf die publikumsstarken Hauptsportarten. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht macht das Sinn: Warum Quoten für eine Nischensportart kalkulieren, wenn 80 Prozent des Umsatzes auf Fußball entfallen?
Die Whitelist umfasst im Kern folgende Kategorien: Ballsportarten wie Fußball, Basketball, Handball, Volleyball und Tennis. Dazu kommen Motorsport, Wintersport, Radsport, Golf, Leichtathletik und diverse olympische Disziplinen. American Football und Baseball sind ebenfalls vertreten – ein Zugeständnis an die internationale Ausrichtung vieler Wettinteressenten.
Ausgeschlossene Sportarten und Gründe
Hier wird es für MMA-Fans bitter. Mixed Martial Arts, Boxen außerhalb spezifischer Verbandskämpfe, E-Sports und verschiedene Kampfsportarten fehlen auf der Whitelist komplett. Die offizielle Begründung klingt immer ähnlich: mangelnde Verbandsstrukturen, Integritätsbedenken oder schlicht „nicht erlaubnisfähig“.
Die Realität ist komplexer. Die UFC etwa hat mit IC360 ein eigenes Integritätsprogramm, arbeitet mit dem FBI zusammen und überwacht verdächtige Wettmuster strenger als manch europäischer Fußballverband. Trotzdem: kein Platz auf der deutschen Whitelist. Das wirkt aus meiner Sicht weniger wie eine faktenbasierte Entscheidung und mehr wie regulatorische Trägheit kombiniert mit historischen Vorurteilen gegenüber Kampfsport.
Die Konsequenzen dieser Ausschlüsse sind messbar. Die Zahl illegaler deutschsprachiger Sportwetten-Webseiten stieg 2024 um 36 Prozent – von 281 auf 382. Das Verhältnis legaler zu illegaler Sportwetten-Angebote in Deutschland beträgt mittlerweile 1:11. Für jede legale Webseite existieren elf illegale Alternativen. Nicht alle davon bieten MMA an, aber die Nachfrage treibt das Wachstum eindeutig mit.
E-Sports ist ein weiterer blinder Fleck. Während Turniere in League of Legends oder Counter-Strike Millionenpublikum erreichen und professionelle Ligen mit eigenen Integritätsabteilungen arbeiten, bleibt die Whitelist stumm. Die Demografie der E-Sports-Fans überschneidet sich stark mit der Online-Wett-Zielgruppe – eine verpasste Chance für den regulierten Markt.
Boxen befindet sich in einer Grauzone. Einige Verbandskämpfe unter bestimmten Dachorganisationen sind theoretisch bewettbar, die praktische Umsetzung bleibt aber lückenhaft. Die fragmentierte Verbandslandschaft im Boxsport macht eine klare Regelung schwierig – ein Problem, das MMA mit der UFC-Dominanz interessanterweise weniger hat.
Mögliche Änderungen durch Evaluierung
Die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags, die bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll, könnte Anpassungen bringen – so die offizielle Ankündigung. Ich bleibe skeptisch, aber nicht hoffnungslos. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit einer Kanalisierungsrate von nur 60 Prozent für Online-Sportwetten liegt Deutschland weit hinter Großbritannien mit 97 Prozent oder Ontario mit 92 Prozent. Fast 40 Prozent des Marktes wandert in den unregulierten Bereich.
Diese Zahlen erhöhen den Druck auf die Regulierer. Die GGL selbst räumt ein, dass der Marktanteil illegaler Online-Glücksspielangebote bei rund 25 Prozent des Gesamtmarktes liegt. Das ist kein Randproblem mehr, sondern ein strukturelles Versagen der aktuellen Regulierung.
Mathias Dahms, Präsident des Deutschen Sportwettenverbands, bringt es auf den Punkt: Der beste Schutz vor dem Schwarzmarkt ist ein attraktives, legales Angebot. Dazu gehören mehr zulässige Wettarten, mehr Live-Wetten und eine realitätsnahe Ausgestaltung der Regulierung. Ob die Politik diese Einschätzung teilt, wird sich zeigen.
Konkret könnte die Evaluierung folgende Änderungen bringen: Eine Erweiterung der Whitelist um weitere Sportarten, gelockerte Einschränkungen bei Live-Wetten und möglicherweise eine Neubetrachtung von MMA und E-Sports. Garantiert ist davon nichts. Die Innenministerkonferenz und die Länder müssen sich einigen – ein Prozess, der traditionell mehr Zeit braucht als angekündigt.
Für MMA-Wetten in Deutschland bleibt die Situation vorerst unverändert. Wer auf UFC und Co. wetten möchte, ist auf internationale Anbieter mit EU-Lizenz angewiesen. Ob sich das 2027 ändert, hängt vom politischen Willen ab – und davon, wie ernst die Regulierer ihre eigenen Kanalisierungsziele nehmen.
Häufige Fragen
Wer entscheidet über die Whitelist?
Die Whitelist ist Bestandteil des Glücksspielstaatsvertrags 2021 und wurde von den Bundesländern gemeinsam festgelegt. Änderungen erfordern eine Einigung der Länder über die Innenministerkonferenz. Die GGL überwacht lediglich die Einhaltung, hat aber keine Befugnis, die Liste eigenständig zu erweitern.
Können neue Sportarten aufgenommen werden?
Theoretisch ja, praktisch ist der Prozess langwierig. Eine Aufnahme erfordert die Zustimmung aller Bundesländer und eine Änderung des Staatsvertrags. Die laufende Evaluierung bis Ende 2026 könnte einen Rahmen für solche Anpassungen schaffen, konkrete Zusagen gibt es bisher nicht.
Gilt die Whitelist auch für Live-Wetten?
Ja, die Whitelist gilt für alle Wettformen – Pre-Match und Live. Zusätzlich unterliegen Live-Wetten weiteren Einschränkungen: Nur bestimmte Ereignisse innerhalb eines Spiels dürfen live bewettet werden, und die Anzahl der gleichzeitig verfügbaren Live-Märkte ist begrenzt.
Erstellt von der Redaktion von „mma Wetten“.
